Liberale für BDP

OPPORTUNIST UND EGOIST

GEDANKEN ZUR MUTMASSLICHEN STÄNDERATSKANDIDATUR VON FDP-NATIONALRAT RUEDI NOSER IM KANTON ZÜRICH NACH DER RÜCKTRITTSANKÜNDIGUNG DES AMTSINHABERS FELIX GUTZWILLER AUF ENDE LEGISLATUR

VON ANDREAS K. WINTERBERGER

Wenn nicht alles täuscht, dürfte Nationalrat Ruedi Noser von den Delegierten der FDP-Kantonalpartei nach der gestrigen Rücktrittserklärung von FDP-Ständerat Felix Gutzwiller auf Ende dieser Legislatur (2015) als Zürcher Ständeratskandidat aufgestellt werden. Als langjähriges früheres Mitglied der Zürcher Jungliberalen - sowie im Anschluss daran - der Zürcher FDP-Kantonalpartei würde ich dies eingestandenermassen ausserordentlich bedauern. Ein derartiger Entscheid  meiner früheren Partei würde ich zudem als politisch wenig couragiert erachten, gäbe es doch weitaus  profiliertere, bürgernähere, mutigere, politisch anständigere und berechenbarere freisinnige Männer und Frauen, die gegenwärtig auf der Kantonsebene politisieren, als denkbare Alternativen zu Noser. Zudem würde ein knappes Jahr vor den eidgenössischen Wahlen 2015 durchaus ausreichen, um einen entsprechenden Kandidaten bzw. Kandidatin dieser Parteicouleur bei den Wählerinnen und Wählern dieses Kantons durch Roadshows etc. landauf landab als neuen Sympathieträger bzw. neue Sympathieträgerin des mittlerweile etwas heruntergekommen wirkenden  Zürcher Freisinns aufzubauen. Denn Ruedi Noser ist alles andere als ein politischer Sympathieträger, und dies dürften die wahlberechtigten Zürcher Bürgerinnen und Bürger im Verlaufe des Wahlkampfs rasch bemerken. Viele politisch Interessierte dürften den aus dem Zigerschlitz stammenden Nationalrat im Verlaufe seiner politischen Laufbahn gleichermassen wie ich nicht als Teamplayer, sondern als ausgeprägten Egoisten und politischen Opportunisten wahrgenommen haben. Bei kontradiktorisch geprägten öffentlichen Wahlveranstaltungen schreckt der Wahlzürcher gelegentlich nicht davor zurück, politische Gegnerinnen und Gegner mit unfairen und hinterhältigen Mitteln, an die Ressentiments von Teilen des Publikums appellierend, zu attackieren. Unvergesslich ist mir beispielsweise ein entsprechender Vorfall vor Jahren im grossen Saal des Meilemer "Löwen" geblieben: Leidtragender war damals der eben erst als Zürcher Stadtpräsident zurückgetretene  und für das Ständeratsamt kandidierende Josef Estermann, ein kultivierter Sozialdemokrat, der das Florett dem Zweihänder stets vorgezogen hat.

Charakterliche Qualitäten wie soziale Kompetenz und Empathie scheinen bei Ruedi Noser offensichtlich schwach entwickelt zu sein. Zudem blitzt bei ihm immer wieder - paradoxerweise! - ein intellektueller Hochmut auf. Bescheidenheit scheint ihm ein Fremdwort zu sein:  Beim politischen Beobachter drängt sich zwangsläufig der Eindruck auf, dass der langjährige Zürcher Nationalrat und frühere Kantonsrat allzu sehr von sich als Person sowie von seinem  - zugegebenermassen! - beachtlichen unternehmerischen Erfolg eingenommen ist. Hinter der zeitweise ostentativ zu Schau getragenen Arroganz - die nicht mit einem gesunden Selbstvertrauen verwechselt werden sollte! - dürfte sich letztlich eine beachtliche persönliche Unsicherheit verbergen.  

Unauslöschlich in Erinnerung geblieben ist mir ein Vorfall vor gut sieben Jahren am Rande einer FDP-Delegiertenversammlung in Horgen, an der ich als publizistischer Beobachter teilnahm. Das Haupttraktandum war seinerzeit die Frage, ob das von der FDP-Renn- oder - Parteileitung um die damalige FDP-Parteipräsidentin Doris Fiala vorgeschlagene Wahlbündnis zwischen FDP und verblocherter SVP auch nach dem völlig überraschenden Rückzug des bisher als SVP-Ständeratskandidat figurierenden Professor Hans Geiger und dessen Ersatz durch den damaligen Präsidenten der SVP Schweiz, Ueli Maurer, angesichts der neuen Ausgangslage aufrechterhalten werden sollte. Während die meisten  Frauen, insbesondere die Freisinnigen Frauen um die Kantonsrätinnen Carmen Walker Späh (Kandidatin für den Zürcher Regierungsrat als Nachfolgerin von Dr. Ursula Gut, FDP, im Frühjahr 2015) sowie Regine Sauter (heutige Direktorin der Zürcher Handelskammer) eine gemeinsame Listenverbindung beider Parteien sowie die Unterstützung des SVP-Ständeratskandidaten und - Scharfmachers Maurer, der während Jahren, zuletzt noch vor einem knappen Vierteljahr vor besagter DV, die schweizerische wie die zürcherische FDP wiederholt in unflätigster Weise attackiert hatte, entschieden und beherzt ablehnten, trat Ruedi Noser mit einer deutlichen Mehrheit der anwesenden männlichen Delegierten entschieden für ein Weiterbestehen dieser  für den Freisinn auch elektoral unheiligen Wahlallianz ein. Zur deutlichen Minderheit der gradlinig und politisch klug argumentierenden freisinnigen Männer gehörte auch Kantonsrat Thomas Vogel, der seither zum FDP-Fraktionschef im Zürcher Kantonsrat avanciert ist. Noser reagierte auf meine im kleinen Kreis vorgebrachte Warnung, dieser Entscheid dürfte selbst von vielen langjährigen freisinnigen Wählerinnen und Wählern kaum auf Goodwill stossen und elektoral nur negative Ergebnisse für den Freisinn im eidgenössischen Wahljahr 2007 zeitigen, mit ausfälligen Bemerkungen. Gutzwiller demgegenüber verteidigte zwar den von ihm zuvor auch mit einer Wortmeldung unterstützten Mehrheitsentscheid der FDP-Delegierten, reagierte aber auf meine deutliche Kritik durchaus politisch zivilisiert...

Aufgrund langjähriger Beobachtung bin ich bereits damals zur Erkenntnis gelangt, dass Frauen im allgemeinen gradliniger, unabhängiger und daher auch glaubwürdiger als Männer politisieren.  Frauen priorisieren das konsequente Streben nach der beruflichen wie der politischen Karriere nicht im gleichen Masse wie das - oft vermeintlich! - starke Geschlecht.  Ladies tendieren daher weitaus stärker zur Durchsetzung von als richtig erkannten politischen Zielen , sind sie doch bedeutend lösungsorientierter...

FAZIT: Ruedi Noser dürfte gegenüber starken und kompetenten Gegnerinnen bzw. Gegnern wie der wohl erneut antretenden Amtsinhaberin Verena Diener sowie dem mutmasslichen SP-Kandidaten Professor Daniel Jositsch (Nationalrat) einen denkbar schweren Stand haben.

Copyright by Andreas K. Winterberger

Datum: 12. November 2014

© 2014 by Andreas K. Winterberger